Augmented Reality Navigation

Google Glass – Augmented Reality in der Logistik

Die Logistikbranche befindet sich seit Jahren in einem größeren Umbruch. Lang her sind die Zeiten der Versandhandelskataloge, die manche sicher immer noch als die gute alte Zeit idealisieren. Aber die zunehmend vernetzte Weltwirtschaft wie der boomende Online Handel, der in den USA auch schon zunehmend auf den Supermarktbereich ausgedehnt wird, verlangen nicht nur nach neuen Transportmethoden wie Amazons Test mit Lieferdrohnen – auch die Logistik in Großlagern muss immer effizienter werden. Hier kommen neueste technologische Entwicklungen ins Spiel, die es heute erlauben, vollautomatisierte Großlager zu bauen, in denen Mensch und Maschine Hand in Hand an der Zukunft der Logistik arbeiten. Durch die zunehmende Vernetzung im Lagerwesen selbst ist der Schritt zur Augmented Reality (in etwa: erweiterte Wirklichkeit) nicht weit. Produkte wie Google Glass – der Marktführer und Innovationsführer auf diesem Gebiet – helfen Menschen bei der Navigation durch die vernetzte Umgebung und lassen diesen auf lange Sicht sogar zu einem Teil von dieser werden. Nun ist es noch ein weiter Weg von Google Glass, wie sie sich heute in der zweiten, für Arbeitsplätze optimierten Version präsentiert, zu einem voll vernetzten Interface mit dem sich Steuerungsvorgänge in komplexen Systemen visuell aufzeigen und – manuell oder per Stimmer – steuern lassen. Dennoch bietet die Technologie von Google Glass schon heute eine ganze Reihe von Anwendungsmöglichkeiten in der Logistik und Lagerführung.

Was ist Google Glass eigentlich?

Bei Google Glass handelt es sich um einen am Kopf getragenen Miniaturcomputer an einem Brillengestell. In der ersten, für den privaten Markt vorgesehenen Variante die aufgrund schwacher Verkaufsdaten im Jahr 2015 eingestellt wurde, beinhaltete das Google Glass ein Display am unteren rechten Rand des Blickwinkels, eine Kamera für Photo- und Videoarbeiten sowie die Möglichkeit, sich ins Internet einzuwählen oder auf Geschäftssoftware zuzugreifen. Insbesondere Datenschützer waren aus vielen Gründen negativ gegenüber der Entwicklung der Google Glass eingestellt. Ein Grund hierfür war (und ist) das Speichern aller aufgenommenen Daten auf einem Google-Server, wenn die „Datenbrille“ mit dem Internet verbunden wird. Die Anwendungsbereiche neben einer rein privaten Nutzung liegen auf der Hand und haben unter anderem auch die amerikanische Erotikindustrie auf den Plan gerufen, auch wenn man dort inzwischen eher mit voll immersiven Virtual Reality (virtuelle Realität, VR) Brillen wie der Oculus One experimentiert. Mit Google Glass 2.0 hat jetzt ein Relaunch begonnen, der sich dezidiert an Logistiker und herstellende Betriebe richtet, in denen schwierige und vielfach vernetzte Arbeitsschritte zu bewältigen sind. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger.

Google Glass 2.0 – Was kann sie? Was fehlt?

Im Gegensatz zur ersten Version hat die Google Glass 2.0 neben anderen Verbesserungen eine deutlich besserer Kamera, einen schnelleren Prozessor und verbesserten Wi-Fi Zugang. Prozessor und die diesen ummantelnde Technik sind bei der Google Glass 2.0 zudem modular gestaltet und können also je nach Bedarf an unterschiedlichen Rahmen angebracht werden. Diese müssen allerdings kompatibel sein. Dennoch erlaubt es so die Anschaffung je nach Bedarf, bzw. in verschiedenen Ausführungen. Ein gutes Beispiel sind Schutzbrillen, wie sie im verarbeitenden Gewerbe häufig standardmäßig getragen werden müssen und die nun als Google Glass Variante neu aufgelegt werden.
In der Logistikbranche sind viele Anwendungen denkbar. So kann beim Einsatz der richtigen Technik mit der Google Glass oder einer anderen Datenbrille die Kommissionierung vereinfacht werden. Die entsprechenden Listen können per Sprachsteuerung auf das Display aufgerufen und mit allen relevanten Informationen zu Lagerort, Lagerplatz, der zu packenden Menge und allen weiteren relevanten Informationen direkt abgelesen werden. Natürlich können mit Google Glass die Warenbewegungen auch sozusagen in Echtzeit und ohne händischen Einsatz in das Lagerverwaltungssystem weitergegeben werden, indem die Kamera der Brille den entsprechenden Barcode scannt.
Ein klarer Nachteil ist die nicht gerade niederschwellige Voraussetzung, die ein Lager und die in diesem genutzten Softwaresysteme für einen wirklich sinnvollen Einsatz der Brille erfüllen müssen. Neben Kompatibilitätsproblemen – die vor allem mittlere und kleine bzw. veraltete Großlager betreffen dürfte – sind in Deutschland mitunter auch datenrechtliche Probleme im Auge zu behalten, egal ob es um die Überwachung des Trägers oder die – mögliche – Überwachung der anderen Mitarbeiter über die Brille geht. Letztlich stellen Datenbrillen wie Google Glass aber die Zukunft dar. Insbesondere in hoch automatisierten Großlagern auf dem neuesten Stand der Technik, bei denen sowieso schon ein hoher Vernetzungsgrad vorliegt, bieten Datenbrillen die wahrscheinlich perfekte Möglichkeit zur Ausweitung dieser Vernetzung auf die Angestellten.

Vorteile von Google Glass im betrieblichen Umfeld

Die Investition in Google Glass kann häufig ohne die zusätzliche Anschaffung teurer Lagertechnik durchgeführt werden und hilft Arbeitsabläufe effizienter gestalten. Besonders in der Logistik ist das alte Sprichwort ja bis heute richtig: Zeit ist Geld. Zudem bietet die Datenbrillentechnologie eine hohe Flexibilität im Einsatz. Sie muss nicht immer verwendet werden, kann aber punktgenau an Problemen ansetzen und dabei helfen, Arbeitsschritte sinnvoll zu vollziehen. Daneben erlaubt sie synchrone Verbuchung, ermöglicht papierloses Arbeiten und freihändigen Zugriff auf Listen, Daten und andere Spezifika. Hinzu kommen die Vermeidung von Ablese- und Bestätigungsfehlern, die immer wieder viel Zeit kosten können, und die einfache Bedienung per Sprachsteuerung. Der größte Vorteil ist am Ende aber die einfache und spielerische Einarbeitung zu diesem Arbeitsgerät, die eine kurze Einlernphase verspricht und Angestellten keine hohen Anforderungen abverlangt.

Voll vernetzte Logistik – die Zukunft der Branche?

Wenn man ein Lager als ein komplexes System versteht, so liegt der Vorteil einer technischen, automatisierten Steuerung auf der Hand. Der Trend geht klar hin zu automatisierten Regalen und dem Einsatz von Robotern, da ist die Implementierung einer Datenbrille wie Google Glass für die Angestellten eigentlich der nächste logische Schritt. Diese erlaubt den Zugriff auf und Steuerung des automatisierten Systems und verbindet den Menschen hinter der Brille über das Interface sozusagen direkt mit dem Lager. Kommt diese Neuerung gleich Morgen? Sicher nicht. Aber die Zukunft und die Entwicklungen in der Branche lassen den vermehrten Einsatz von Datenbrillen als durchaus wahrscheinlich erscheinen.

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