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GS1 Standard – neue Paket-Kennzeichnung für grenzenlose Zustellung

Europa wächst zusammendas gilt jetzt auch für den grenzüberschreitenden Versandhandel. Mit einer Novelle zur Angleichung der Codierungssysteme für Pakete in der europäischen Union hat man sich in Brüssel für den erprobten GS 1 SSCC (Serial Shipping Container Code) Standard entschieden, der im weiteren verlauf hier der Einfachheit halber als GS1 (Standard) bezeichnet wird. Dieser wurde von der gleichnamigen privatwirtschaftlichen Organisation – Global Standard One (GS1) – entwickelt, die seit 2005 als zugelassene Issue Agency (Herausgabe Agentur) internationale Standards für die Kennzeichnung von Geschäftsobjekten herausgibt. Vorteil dieses Vorstoßes ist die Möglichkeit in Zukunft Pakete in Europa mit einer einzigen Identifikationsnummer zu versehen, die auch über die Ländergrenzen hinweg ihre Gültigkeit behält. Dies soll Zeit und Kosten sparen helfen und macht insbesondere für die Transportunternehmen das Leben deutlich einfacher und mag auch neue Kooperationen zwischen europäischen Firmen ermöglichen, was den Wettbewerb stärken sollte. Gerade im letzten Punkt sollte man sich aber nicht zu große Hoffnungen machen, da gerade im Paketversand die großen Händler (z.B. Amazon) und Logistiker (z.B. DHL) einfach sehr stark dominieren.

Eine Nummer für Europa – Die Vorteile von GS1

Ein Paket von Deutschland nach Spanien zu versenden, konnte schon einmal zu Problemen führen. Nicht nur wurden an Knotenpunkten, an denen die Übergabe an einen anderen Dienstleister nötig wurde, oft Umettikettierungen nötig, was gerade kleinere Transportunternehmen, die nicht europaweit agieren, benachteiligte. Auch die Prozesskosten für die Online–Händler waren traditionell beim grenzüberschreitenden Versand deutlich höher, als beim nationalen. Dies wirkte sich nicht nur auf die Kalkulation der Händler aus, sondern führte damit auch zu höheren Preisen beim Verbraucher. All diesen potentiell problematischen Vorgängen soll mit dem neuen GS 1 Standard für den Paketversand abgeholfen werden. Von Seiten der europäischen Politik wurde das Problem insbesondere im Zusammenhang mit dem boomenden E-Commerce Sektor identifiziert und die neue Spezifikation ist das Ergebnis des Strategieprogramms: „Digital Single Market: Bringing down barriers to unlock online opportunities“ der Europäischen Kommission. An der Erarbeitung des vorliegenden Ergebnisses waren neben Online-Händlern und Postunternehmen auch Kurier-, Express-, und andere Logistikdienstleister beteiligt.

GS1 – die Firma hinter dem neuen Paketversand-Standard

Die Firma mit demselben Namen wie der neue Standard zum Paketversand ist eine so genannte Non-Profit-Organistation. Dies bedeutet, dass das vorrangige Ziel nicht die Erzielung von Gewinnen ist. GS 1 entwickelt internationale Standards zur Kennzeichnung von Gütern und ist als Issuing Agency (Ausgabe Agentur) offiziell registriert. Neben dem GS 1 SSCC Standard entwickelt GS1 weitere Standards und Barcodes für fast alle Warenbereiche. Als teilweise problematisch, kann das Geschäftsgebaren der Firma aufgefasst werden. Anders als es bei einer Non-Profit-Organistation der Fall sein sollte, bewirbt GS1 seine Produkte mitunter aggressiv und betreibt rege Lobbyarbeit – was sich in diesem Fall auch ausgezahlt hat. Inwieweit die Entscheidung für GS 1 als Partner für die Umsetzung des europaweit standardisierten Paketversands richtig war, bzw. ob es nicht besser gewesen wäre, einen eigenen europäischen Standard zu etablieren, ist momentan noch schwer zu beantworten. Die Hoffnung geht ganz klar dahin, dass sich durch diese Zusammenarbeit mit der international agierenden Firma GS 1 die Möglichkeit ergeben könnte, dass der europäische Standard bald auch zumindest annähernd weltweit anwendbar werden könnte, so dass auch der Versand in die USA oder von China nach Europa abgesehen von Zollangelegenheiten problemlos abgewickelt werden kann. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Wie der neue GS1 Standard funktioniert


Zuerst erzeugt der Versender ein GS1 Transportetikett als eindeutige Sendungsreferenz. Hierauf erfolgt die individuelle Einspeisung des Paketes in die Transportkette. Nach Anlieferung zu einem Versandhub wird die Sortierung vorgenommen. Dabei kann der Sendestatus über die Referenznummer und das regelmäßige Scannen dieser an jedem Umschlagplatz verfolgt werden. Aus dem Versandhub geht es in den Hauptlauftransport ins Zielgebiet, wo es im Empfangshub eingeliefert und mithilfe der Sendungsreferenz erneut sortiert wird. Nun ist die Auslieferung des Paketes an den Endkunden individuell und unabhängig vom Dienstleister möglich. Auch die Ablieferdokumentation kann und soll über GS1 erfolgen und der Empfänger hat mit der Sendungsreferenz, die ihm der Versender zur Verfügung stellen kann, ebenso wie dieser die Möglichkeit den Status des Versands nachzuverfolgen. Diese Lösung aus einer Hand bietet so nicht nur bei Auslieferung sondern auch bei der Sendungsverfolgung und der Ablieferdokumentation nicht unerhebliche Vorteile.

Neue Möglichkeiten für Online-Händler und Transportunternehmen

Insbesondere für Online-Händler und kleine Transportunternehmen bietet die Einführung des europaweit gültigen GS 1 Standards für den Paketversand neue Geschäftsmöglichkeiten. Gerade kleinere Online-Händler schrecken oft vor der Ausweitung ihres Geschäfts auf den ganzen europäischen Raum zurück. Zu hoch erschienen bislang Kosten und Probleme bei der Durchführung des Versands. Natürlich entfernt der GS1 Standard nicht alle Hürden, die dem europaweiten Geschäft gegenüberstehen, von denen die Sprachvielfalt trotz der Dominanz des englischen bislang noch die größte sein dürfte. Dies erschwert den Kundendienst und schafft Kosten bei der Übersetzung von Webseiten und Online Shop Inhalten. Von der logistischen Seite her steht dem europaweiten Versand, der vorher mit Unternehmen wie der DHL auch schon recht problemlos möglich war, nichts mehr entgegen. Vielleicht noch wichtiger ist die Neuerung aber für kleinere und mittlere Logistikdienstleister. Diesen stehen jetzt vor allem neue Kooperationsmöglichkeiten zur Verfügung und sie können – bei geschickter Umsetzung – leichter in die Verwertungskette im Paketversand vorstoßen, der bislang von den großen nationalen und internationalen Postunternehmen dominiert wird.

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