Roboter Industrie 4.0 Lager

Roboter in der Intralogistik – Lager & Industrie 4.0

Die Automatisierung schreitet auch in der Lagerlogistik immer weiter voran. Wurde Amazon vor einigen Jahren vielleicht noch von dem einen oder anderen belächelt, als diese zum ersten Mal Roboter als Picker einsetzten, denken heute selbst kleinere Logistik Unternehmen darüber nach, welche die richtige Automatisierungsstrategie für sie in der Intralogistik und ihr Lager ist. Dabei sind Roboter in der Intralogistik natürlich nur einer von vielen Wegen. Moderne automatisierte und vernetzte Hochregallager arbeiten mitunter mit autonomen Systemen, die an den Regalreihen befestigt sind und die Ware nach Scannen eines Barcodes (oder einer ähnlichen digitalisierten Arbeitsanweisung) aus dem Lager zu einem Sammelpunkt bringen, von wo aus der weitere Versand ausgeführt wird. Problematisch sind bei diesem Modell die hohen Investitionskosten, da eine Umrüstung an sich nicht in Frage kommt, sondern ein solcherart funktionierendes Lager an sich von Grund auf geplant und gebaut werden muss. Roboter bieten da eine Alternative, gerade weil diese sich problemlos in ein bestehendes Lager integrieren lassen und das Navigieren durch verwinkelte Gebäudeinfrastrukturen eher erlauben. Auch wenn sich Sensortechnik und Software inzwischen so weit verbessert haben, dass an sich ein Lager ganz ohne Menschen durchaus denkbar ist, ist es bis dahin noch ein langer Weg. Der Trend geht aber dahin und die ganze Logistikbranche wird sich mit einem großen Umbruch auseinandersetzen müssen, der sich auch in der Wahl der Standorte für Großlager auswirken wird, da diese in Zukunft fast völlig unabhängig von Lohnkostenfaktoren geplant werden können.

Vorteile der Roboter-Systeme in der Intralogistik

Das Modell Mensch zu Ware funktioniert seit Jahren und kann durch den Einsatz von Datenbrillen wie der Google Glass in Zukunft auch weniger Fehleranfällig werden. Trotzdem liegen die Vorteile des Einsatzes von Robotern in der Intralogistik auf der Hand. Nicht nur sind die sich autonom bewegenden Maschinen rund um die Uhr einsetzbar, sondern sie bekommen natürlich auch keinen Lohn. Noch sind die Investitionskosten für Roboter-Systeme in der Intralogistik relativ hoch, gerade auch weil drumherum neben der anzuschaffenden Hardware (den Robotern) in den allermeisten Fällen auch noch umfangreiche Investitionen in Software und die Lagergebäude notwendig werden. Die Umstellung von bestehenden Lagern wird also in den meisten Fällen schrittweise erfolgen. Bei Neubauten hingegen wird man schon in der Planungsphase darauf achten, das eine Umrüstung problemlos durchgeführt werden kann, falls dieser nicht von vornherein als automatisiertes Lager geplant wird, egal ob mit Einsatz von autonom fahrenden Robotern oder stationären Systemen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fehleranfälligkeit dieser Logistiksysteme sinkt, desto weniger Interaktion des Menschen nötig ist. In gewisser Weise stehen dem Beruf des Lagerarbeiters so gesehen schwierige Zeiten bevor.

Vorreiter Amazon – der Versandriese setzt auf Roboter

Klarer Vorreiter im Bereich Automatisierung des Lagerbetriebs und des Einsatzes von Robotern in der Intralogistik ist wieder einmal der amerikanische Riese Amazon. Die generelle Affinität zu den neuen Technologien, die Nähe zum Silicon Valley und der beinahe schon religiöse Glaube an den Sinn und Nutzen einer komplett vernetzten Welt, den Amazon mit Google und anderen amerikanischen Internetgiganten teilt, sind treibende Faktoren hinter der Innovationslust, mit der sich Amazon auch auf das Lagerwesen und die Intralogistik stürzt. So experimentiert man bei Amazon schon seit Jahren mit Robotersystemen. Neueste Entwicklung auf diesem Gebiet ist ein vor kurzem eröffnetes Logistikzentrum in der Nähe von Manchester, das als eine Art Blaupause angesehen werden kann, wie sich Amazon die nächste Stufe der Automatisierung in seinen Lagern vorstellt. In Manchester schleppen hunderte Roboter mit einer Traglast von 300 Kg die Regale kreuz und quer durch den Lagerraum. Dies erlaubt nicht nur ein viel engeres Stellen der Regale, als dies sonst möglich wäre, sondern auch die Raumhöhe kann niedriger sein, als bei herkömmlichen Lagerhallen. Dies ermöglicht die Unterbringung von mehr Ware und soll auch die Kommissionierung beschleunigen. Alte Lager sollen nicht umgerüstet werden. Die Maschinen sollen aber zum Beispiel im neuen Logistikzentrum in Winsen (Nähe Hamburg) zum Einsatz kommen, das auf einer Gesamtfläche von 64.000 qm gebaut wird. Nach Amazons Angaben verliert auch niemand seinen Job durch die Roboter – kein Wunder bei einem Neubau, für den sowieso exklusiv neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Toru-Cube, Baxter, Butler – die neue Generation von Logistikrobotern

In den letzten Jahren haben autonom agierende Maschinen und Roboter noch einmal einen echten Quantensprung hingelegt. Bester Beweis dafür ist wohl das autonom fahrende Google Auto, das in und um San Francisco auf der Straße getestet wird. Was in der Hektik des Straßenverkehrs einigermaßen funktioniert, ist in einem geschlossenen System wie einer Lagerhalle natürlich problemlos einsetzbar. Auf diesem Zukunftsmarkt arbeiten Entwickler und Logistiker eng zusammen. Ein Beispiel ist der Toru-Cube, der gerade in einem Pilotprojekt vom Logistikdienstleister ITG in dessen Logistikcenter in Schwaig bei München getestet wird. Der vom Tech Start Up Magazino entwickelte Kommissionier-Roboter verfügt über eine intelligente Objekterkennung und eine präzise Grifftechnik, die besonders für quaderförmige Objekte ausgelegt ist. Im Gegensatz zu Amazon setzt man hier auf ein autonom arbeitenden Roboter, der durch die Regale fährt, anstatt die Regale im Ganzen zu bewegen.

Der Butler ist hingegen ein Roboter, der analog zu den von Amazon entwickelten Modellen gleich ganze Regalreihen bewegt. Das von der GreyOrange GmbH entwickelte System ist aber problemlos skalierbar und auch problemlos auf mehreren Ebenen einsetzbar. Dies würde auch bei kleineren Lagern und einer schrittweisen Automatisierung einen Einsatz erlauben, wie sie von der GreyOrange GmbH auch durchaus angedacht ist.

Ein echter Alleskönner ist der Baxter von Rethink Solutions. Der Baxter gehört anders als die anderen hier aufgelisteten Roboter zu den kooperativen Robotern (Kobot´s), die eng mit Menschen zusammenarbeiten können und sollen. Die Kameraaugen und Sensoren des Baxter ermöglichen ein problemloses Miteinander. Die Einsatzbereiche sind vielseitig und können an den Bedarf angepasst werden. Anwendungsbereiche sind z.B.: Behälter an der Kommissionierstation stapeln, Co-Packing-Aufgaben und anderes.

Automatisierung ist die Zukunft

Ob Roboter oder vollautomatisierte Lager – Automatisierung ist die Zukunft der Logistikbranche und bislang stehen diesem Umbau nur die teils immensen Investitionskosten entgegen. Die Frage ist also nicht ob, sondern wann die ersten vollständig autonomen Logistikzentren gebaut werden, die nahezu komplett ohne Menschen auskommen. Intralogisktik Roboter sind dabei ein wichtiger Bestandteil.

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