Ab wann sind Online-Verkäufer eigentlich ein Unternehmen?

Grundsätzlich ist es jedermann hierzulande möglich, eigene Waren oder fremde Produkte als Händler über das Internet zu vertreiben. Ein Onlineshop kann ohne Mühen ins Netz gebracht werden und mit interessanten Waren wird schnell ein attraktiver Nebenverdienst erzielt. Was als kleiner Zuverdienst beginnt oder langfristig geplant ist, kann im Sinne des Gesetzgebers schnell den Status eines echten Handelsunternehmens aufweisen. Nach der aktuellem Rechtsprechung auf europäischer Ebene können auch Sie schnell ermitteln, ob Sie als Online-Verkäufer bereits ein Unternehmen sind oder nicht.

Anzahl der verkauften Artikel pro Jahr als Richtwert

Der Weg vom gelegentlichen privaten Verkauf hin zur unternehmerischen Tätigkeit als Verkäufer ist fließend und aktuell weder durch deutsche noch europäische Rechtsprechung eindeutig abgedeckt. Stattdessen gibt es Richtwerte aus der Praxis, bei denen nationale und europäische Gerichte Indizien für eine unternehmerische Tätigkeit oder eine rein private Verkaufsabsicht gegeben sehen. Ein bekannte Bewertung erfolgte durch das OLG Frankfurt, die bei knapp 500 bewerteten Verkäufen auf eBay von einem unternehmerischen Handeln ausging.

Der genannte Betrag ist nicht als eindeutige Grenze zu sehen. Kommt es zu einer rechtlichen Unsicherheit, beispielsweise seitens des Finanzamts, wird stets ein Blick auf den Einzelfall geworden. Beispielsweise können durch eine einmalige Haushaltsauflösung Hunderte von Verkäufen innerhalb eines Jahres stattgefunden haben, während der Verkäufer nicht über eine unternehmerische Tätigkeit nachdenkt. Der gegenteilige Fall ist ebenfalls denkbar, eine individuelle, rechtzeitige Abklärung ist deshalb ratsam.

Gleichzeitigkeit von Angeboten als wichtiges Kriterium

Neben der reinen Anzahl an Verkäufen ist der Faktor des gleichzeitigen Angebots unterschiedlicher Waren ein Kriterien. Bereits im Jahr 2005 wurde eine europäische Richtlinie durch das EuGH festgelegt, um eine Analyse der eigenen Geschäftstätigkeit durchführen zu können. Aktuell wird diese im Rahmen einer Voranfrage durch ein bulgarisches Gericht in ihrer Anwendung überprüft. Konkret soll geklärt werden, ob es als unternehmerische Tätigkeit zu werten ist, wenn ein Verkäufer insgesamt acht Verkaufsanzeigen für verschiedene Waren online geschaltet hat.

Auch diese Zahl muss nicht als grundlegender und unumstößlicher Richtwert verstanden werden. Ein Shop kann unternehmerisch mit weniger als acht Produkten geführt werden, das Angebot von mehr als acht Produkten kann Sie weiterhin vor der Führung eines Unternehmens bewahren. Erneut ist der Wert als Richtlinie zu verstehen, an der Sie sich bei der Bewertung Ihrer Tätigkeit im Verkauf orientieren können.

Einschätzung durch den Europäischen Gerichtshof abwarten

Welche Konsequenzen eine baldige Beurteilung durch das EuGH hat, beispielsweise ob Abmahnungen gegenüber vielen kleinen Shops drohen, ist aktuell noch nicht abschätzbar. Falls Sie unsicher sind, ob Sie bereits als Unternehmen zu werten sind oder nicht, gehen Sie das Thema direkt an und klären Sie dies mit Finanzamt & Co. ab. Es ist besser, sich frühzeitig über den eigenen rechtlichen Status bewusst zu werden, als im Nachhinein teure Nachzahlungen und Strafen leisten zu müssen.  Da der Online-Handel auch in kleine Dimensionen stetig an Bedeutung gewinnt, ist eine zeitnahe Abklärung durch den europäischen Gesetzgeber in jedem Fall wünschenswert.

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