Hermes erhöht Preise zum Weihnachtsgeschäft 2018

Momentan läuft es nicht sonderlich gut für viele Onlineshops. Zwar steht Weihnachten und das damit verbundene Umsatzplus vor der Tür, doch die schlechten Nachrichten reissen nicht ab. Nachdem viele Onlineshops sich schon auf die großen Neuerungen des Verpackungsgesetzes 2019 freuen dürfen, kommt nun auch der Logistiker Hermes mit einer Ankündigung um die Ecke, die nicht für Begeisterung sorgen dürfte: Hermes erhöht die Preise zum Weihnachtsgeschäft 2018.

„Wir werden 2018 einen Preiszuschlag für das Weihnachtsgeschäft einführen.“ – Frank Rausch, Geschäftsführer von Hermes (WirtschaftsWoche)

Nach der 2017 eingeführten Warenobergrenze / Paketobergrenze für Online-Händler zum Weihnachtsgeschäft folgt nächstes Jahr also ein deftiger Preiszuschlag. Der KEP-Dienstleister macht keinen Hehl daraus, dass die Maßnahmen gezielt zu Weihnachten umgesetzt werden, um die drohende Paketflut einzudämmen – und natürlich die damit verbundenen Retouren und Rücksendungen. Es scheint insgesamt also gut zu laufen, wenn man sich durch Preiserhöhungen vor Kunden retten möchte. Bei allem Verständnis ist diese Ankündigung für Onlineshops und den Versandhandel natürlich ein herber Schlag.

Doch so zweifelhaft viele Leser diese Meldung auch finden mögen, so ist Hermes doch nicht der einzige KEP-Dienstleister, der auf diese Maßnahmen setzt. UPS hat bereits zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft die Preise in den USA um 27 Cent angehoben. Auch hier hält der erhebliche Arbeitsaufwand zur Weihnachtszeit als Argument her. Und die Zahlen lassen durchaus aufhorchen. Nach Unternehmensangaben werden zur Weihnachtszeit 30 Millionen statt 19 Millionen täglich bearbeitet. Dementsprechend wird auch mehr Personal benötigt – die Personalkosten pro Paket steigen. So überraschend kommt die Preiserhöhung bei Hermes also gar nicht. Immerhin hat der Vorstand der Otto Group, genauer Hajo Schneider, bereits im Juni angekündigt, dass man nicht „(…)um deutlich höheren Kosten in den Weihnachtswochen(…)“ herumkommen wird. Ebenso wenig wie um die Weitergabe dieser Kosten an die Kunden und somit eben auch an Onlineshops.

Immerhin: hierzulande soll die Erhöhung erst zum Weihnachtsgeschäft 2018 kommen. Auch ist die Höhe des Preisanstiegs noch nicht bekannt, aber Hermes will Details zu Zeitraum und Höhe des Weihnachtszuschlags auf Basis der Erkenntnisse aus dem Weihnachtsgeschäft 2017 festlegen. (logistik-watchblog.de). Hermes sieht die Schuld für diese Preiserhöhung nicht zuletzt bei der „gefährlichen Null-Versandkostenmentalität“, die im Onlinehandel um sich zu greifen scheint.

„Der Preis, den der Handel bereit ist für ein Paket zu zahlen, ist schlichtweg nicht auskömmlich.“ – Frank Rausch

Übersetzung: der geplante Anstieg ist also nur der erste Schritt auf dem Weg zur Preisanpassung an die deutlich gestiegene Nachfrage.

Paketshops als Standard der Zukunft

In diesem Zusammenhang erneuert der Hermes-Geschäftsführer auch seine Forderung nach neuen Paketshops, die alle Logistik- und Paketdienstleister gemeinsam nutzen können. Dies wäre ein deutlicher Schritt in Richtung Supply Chain der Zukunft„Was wir dringend brauchen, sind große Paketshops oder Mikrodepots in den urbanen Räumen, die alle Paketdienste nutzen können.“, fordert er gegenüber der WirtschaftsWoche. Ähnlich wie viele Logistik-Experten, deren Meinungen und Prognosen wir im Artikel Logistik Trends 2017 gesammelt haben, so hält auch Rausch Kooperationen zwischen den KEP-Dienstleistern für durchaus denkbar, wenn nicht gar unausweichlich. Um die Unterstützung durch Bund, Städte und Kommunen, die beispielsweise passende Immobilien zur Verfügung stellen könnten, werden sie aber nicht herumkommen. Die Lieferung an die Haustür, so Rausch weiter, sollte hingegen aufgrund des hohen Aufwandes teurer und als das betrachtet werden, was sie ist: Luxus, für den man zu zahlen hat. Damit vertritt der Hermes Geschäftsführer die Ansicht, die auch DPD-Chefs Boris Winkelmann hat: „In der Zukunft könnte es so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent extra kostet.“.